Di, 17.07.12 15:20
PARIS (dpa-AFX) - Die mit hohen Unsicherheiten behaftete aktuelle Krise bringt nach Meinung von Axa Investment Managers zumindest auf kurze Sicht kein gutes Klima für Aktien. 'Wir haben unsere Einschätzung, Aktien überzugewichten, im Mai auf neutral zurückgenommen', sagte Investmentstratege Franz Wenzel von der Vermögensverwaltung Axa Investment Managers (Axa IM) am Dienstag in Paris. Einzig bei Aktien aus Schwellenländern sei die Empfehlung 'Übergewichten' beibehalten worden. Zwar sei die systemische Krise in Europa inzwischen keine akute Gefahr mehr und somit in den Hintergrund gerückt, doch dafür stünden zunehmend konjunkurzyklische Risiken im Vordergrund. So habe sich der Welthandel abgekühlt. Vor allem in den weltgrößten Volkswirtschaften, den USA und China, sei etwa eine Abschwächung des Verarbeitenden Gewerbes spürbar und Arbeitslosigkeit ein großes Problem.
Mit Blick auf die USA 'signalisieren alle Indikatoren Vorsicht', sagte Wenzel. Besonders der wieder ins Stottern geratene Arbeitsmarkt sei ein großes Problem, doch habe die Regierung inzwischen kaum mehr Möglichkeiten zum Eingriff. Gegen Ende des Jahres rechnet er aber mit einer weiteren quantitativen Lockerung der Geldpolitik (QE4). In China müssten zur Stabilisierung des Wachstums ebenfalls erneut die Geldschleusen geöffnet werden. So brauche dieses große Land ein Wachstum von mehr als acht Prozent, um seine Arbeitslosenquote zu stabilisieren. 'In den asiatischen Ländern stehen daher weitere Zinssenkungen ins Haus.' Weiter Sorgen mache auch Japan, denn bei den Unternehmensgewinnen sei dort zurzeit 'kein großer Staat zu machen', wie der Experte sagte.
In den USA dürften die Unternehmensgewinne dagegen bis Jahresende seiner Ansicht nach - inklusive Aktienrückkäufe - um fünf Prozent zulegen. 'Das Problem liegt hier aber in der Bewertung der Aktien. Das Gewinnwachstum ist bereits eingepreist', meinte Wenzel. Mit einem Kursgewinnverhältnis (KGV) von 14,5 bis 15 sei die Bewertung für US-Aktien inzwischen zu hoch. 'Die Welt hat sich in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten verändert. Die Zyklen sind kürzer geworden und weisen weniger Amplituden auf, was sich in der Bewertung niederschlagen sollte.' Er sieht die US-Papiere im Schnitt eher mit einem KGV von 12 bis 12,5 fair bewertet.
Für Europa sieht er für 2012 inzwischen statt eines allgemein angenommenen fünfprozentigen Unternehmensgewinnwachstums einen Rückgang um fünf Prozent, was sich auch in den Aktienkursen bereits widerspiegele. Nur bei den Unternehmen der Schwellenländer ist er deutlich optimistischer und sieht deren Gewinne trotz derzeitiger Stagnation bis zum Jahresende beziehungsweise zum ersten Quartal 2013 um rund 15 Prozent steigen.
Langfristigen Investoren empfiehlt der Axa-Investmentstratege dennoch auch in europäische Werte zu investieren. 'Richtung Ende 2013/14 sollte die Geldpolitik gegriffen haben und sich die Lage in Europa gebessert haben', schätzt Wenzel. Wer einen langen Atem habe und Schwankungen aussitze, sollte sich seines Erachtens überlegen, immer mal zuzukaufen./ck/stb


