Fr, 27.07.12 10:45
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung auf ein erneutes Eingreifen der EZB in der Eurokrise hat am Freitag den deutschen Handel nicht mehr nachhaltig stützen können. Nach dem deutlichen Kurssprung vom Vortag und einem zunächst freundlichen Auftakt rutschte der Dax
im frühen Handel in die Verlustzone. Zuletzt stand der deutsche Leitindex mit 0,35 Prozent im Minus bei 6.560,03 Punkten. Börsianer erklärten dies mit Gewinnmitnahmen, nachdem der Leitindex am Vortag um 2,75 Prozent zugelegt hatte. Den MDAX hielten am Freitag satte Kursgewinne bei EADS mit 0,39 Prozent im Plus bei 10.764,96 Punkten. Auch der TecDax
verlor und gab um 0,30 Prozent auf 770, 29 Punkte nach.
Am Vortag hatte das klare Ja von EZB-Chef Mario Draghi zur weiteren Unterstützung der EU-Krisenstaaten die Weltbörsen in Schwung gebracht. Am Markt wurden die Aussagen als Andeutung möglicher neuer Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank gewertet. 'Es fehlen nun zwar noch die Details, aber diese Aussage könnte auf eine Änderung der Arbeitsweise der EZB hinweisen. Die Frage ist nur, ob die EZB schneller ist als die EU', sagte Strategin Anita Paluch von Gekko Markets.
HÄNDLER: 'INVESTOREN WOLLEN NICHT AUF FALSCHEM FUSS ERWISCHT WERDEN'
Zunächst einmal gingen die Investoren nun aber in Wartestellung. Keiner wolle auf dem falschen Fuß erwischt werden, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Faitrade. 'Der Dax ist derzeit extrem volatil durch die politische Gemengelage und durch die US-Berichtssaison. In der letzten Woche brauchte man gerade nach der Moody's-Warnung in Richtung Deutschland und den EZB-Aussagen schon teilweise stahlharte Nerven. Da sind viele froh, nur mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein', so der Experte.
Vor dem Hintergrund der Draghi-Aussagen dürfte nun viele Investoren eine neuerliche Auktion italienischer Geldmarktpapiere an diesem Morgen mit Argusaugen betrachten. Wie schon in den vergangenen Tagen könnte deren Ausgang auch die weitere Richtung an den Börsen mit beeinflussen. Weitere Impulse dürften am Nachmittag zudem die neuen Daten der Universität Michigan zum von ihr ermittelten Verbrauchervertrauen in den USA bringen.
ZAHLEN VON LINDE UND EADS
Unterdessen ließ es am letzten Handelstag der Woche die Bilanzsaison etwas ruhiger angehen. Im Dax standen Linde
mit Zahlen im Blick. Der Konzern hat vor allem dank seines Sparkurses im ersten Halbjahr erneut einen Gewinnzuwachs verzeichnet. Die Papiere kletterten gegen den Markt um 0,34 Prozent auf 118,40 Euro. ThyssenKrupp
, die zunächst sehr fest eröffnet hatten, verbuchten zuletzt noch einen Aufschlag von knapp einem halben Prozent. Der Konzern hatte am Vorabend bekannt gegeben, dass ab August bis voraussichtlich zum Ende dieses Jahres Kurzarbeit einführt wird. Mehr als 2.000 Mitarbeiter sind betroffen.
Im MDAX standen die EADS-Papiere
zuletzt mit 6,66 Prozent im Plus bei 30,185 Euro. Der Konzern hat eine überraschend gute Quartalsbilanz vorgelegt und im zweiten Jahresviertel den Überschuss nahezu vervierfacht. Daraufhin schraubte Vorstandschef Tom Enders den Unternehmensausblick herauf: Eine noch stärker brummende Flugzeugproduktion soll Umsatz und Gewinn in neue Höhen katapultieren. Die zusammen mit den Zahlen und der Prognose mitgeteilte Hiobsbotschaft von der erneuten Verspätung des Langstreckenfliegers Airbus A350 rückte damit an der Börse in den Hintergrund.
RHÖN SENKT PROGNOSE
Titel des MDax-Kollegen Rhön-Klinikum
verloren indes 1,68 Prozent auf 17,555 Euro. Der private Klinikbetreiber hat wegen angefallener Kosten in Zusammenhang mit dem vorerst gescheiterten Übernahmeversuch von Fresenius SE
und Restrukturierungskosten in seiner Uniklinik Gießen Marburg seine Prognose für 2012 gekappt.
Stada
gaben sogar um fast fünf Prozent Prozent nach und waren damit Index-Schlusslicht. Laut Händlern litten die Papiere unter einer Abstufung durch die Citigroup. Die miserable Bilanz des sozialen Online-Netzwerks Facebook in den USA belastete im Tecdax die Titel von Xing
, die mit einem Abschlag von mehr als eineinhalb Prozent einer der schlechtesten Technologiewerte waren./tav/ag



