Di, 31.07.12 14:03
(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz zur Eurokrise, Verschuldung, Sparten, Mitarbeiter)
HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Baustoffkonzern HeidelbergCement
hat im zweiten Quartal vor allem dank seines Sparkurses und Preiserhöhungen einen Gewinnzuwachs verzeichnet. Für den Zeitraum April bis Juni stieg der Gewinn nach Minderheiten auf 184 Millionen Euro, wie der Zementhersteller am Dienstag in Heidelberg mitteilte. Im Vorjahreszeitraum waren es 159 Millionen Euro. Für das gute Ergebnis waren vor allem ein anhaltendes Wachstum in Asien und eine gute Nachfrage in Nordamerika verantwortlich.
Der Umsatz kletterte um 11,4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr zeigte sich Unternehmenschef Bernd Scheifele trotz der konjunkturellen Abschwächung in Europa weiterhin optimistisch. 'Das Ergebnis des zweiten Quartals bestärkt uns in unserem Ausblick für das Jahr 2012', sagte der HeidelbergCement-Chef. Für 2012 peilt die im Dax
notierte Gesellschaft erneut Zuwächse beim Umsatz wie beim operativen Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) an.
Die HeidelbergCement-Aktie gab im Nachmittagshandel bei einem etwas festeren Markt um 0,9 Prozent nach. Zeitweise hatten sich die Papiere sogar um fast fünf Prozent verbilligt. Die Zahlen fielen zwar zum Teil besser aus als von Analysten geschätzt, ein Börsianer sah jedoch den Konzernausblick Anlass zur Vorsicht.
Mit seinem Sparprogramm kommt HeidelbergCement besser voran als geplant. 'Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass wir das Jahresziel spürbar übertreffen', sagte Scheifele. Bereits in den ersten sechs Monaten sparte die Gesellschaft 138 Millionen Euro von den für 2012 geplanten 200 Millionen Euro ein. Der HeidelbergCement-Chef hatte wegen höherer Kosten bei Vorlage der Gesamtjahreszahlen Mitte März das Einsparziel für den Zeitraum 2011 bis 2013 von 600 Millionen auf 850 Millionen Euro erhöht. Zudem plant der Konzern, weitere 150 Millionen Euro in der Logistik bis 2014 einzusparen.
Darüber hinaus möchte der Baustoffkonzern seinen Wärme- und Energieaufwand weiter reduzieren. Die Baustoffbranche gehört wie auch die Chemie- und Stahlindustrie zu den energieintensivsten Industrien und ist deshalb besonders stark von den Energiepreisen abhängig. Derzeit profitiert HeidelbergCement von sinkenden Kohlepreisen und relativ stabilen Ölpreisen.
Gerade in den Vereinigten Staaten kommen dem Heidelberger Zementhersteller zudem sinkende Energiepreise entgegen. In den USA ersetzt mittlerweile das weitaus preiswertere Schiefergas einen Teil der Kohle, die bisher vorrangig für die Befeuerung der Zementöfen eingesetzt wurde. Zudem gehen auch die Stromkosten in den USA zurück.
Für die kommenden Monate geht HeidelbergCement von einem anhaltend starken Wachstum vor allem in Indonesien und Indien, aber auch in Russland und Zentralasien aus. Auch in Afrika rechnet der Konzern mit weiteren deutlichen Zuwächsen. In den USA und Kanada will HeidelbergCement von dem Baustoffbedarf der Rohstoffindustrie und einer wieder anziehenden Nachfrage aus dem privaten Wohnungs- und Wirtschaftsbau profitieren. Für West- und Nordeuropa hingegen erwartet der Konzern einen leichten Nachfragerückgang. Gerade die Geschäfte in Großbritannien und Niederlanden liefen etwas schlechter.
Für die Eurokrise sieht sich HeidelbergCement auf jedes Szenario gut vorbereitet. So rechnet Unternehmenschef Scheifele zwar nicht unbedingt mit einem Zusammenbruch der Eurozone, hält aber einen Austritt des hochverschuldeten Griechenlands für immer wahrscheinlicher. Aus Sicht von HeidelbergCement werden sich aber am wahrscheinlichsten die schleppenden Bemühungen der Euro-Rettung fortsetzen. 'In diesem Umfeld gilt es, Geld zusammenzuhalten und keine Übernahmeaktivitäten zu tätigen', sagte Scheifele. Momentan vermeide HeidelbergCement Bankenfinanzierungen.
Den Schuldenabbau will HeidelbergCement auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzten. Ende Juni betrug die Nettoverschuldung 8,1 Milliarden Euro. Das waren 456 Millionen Euro weniger als Ende des zweiten Quartals 2011. Insgesamt wollen die Heidelberger die Verschuldung auf 6,5 Milliarden Euro senken.
Die Zahl der weltweit für den Baustoffkonzern tätigen Mitarbeiter ging gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Am Ende des zweiten Quartals waren 54.362 Beschäftigte für HeidelbergCement tätig, im Vorjahr waren es 54.539. Vor allem in Großbritannien und Spanien möchte HeidelbergCement weiter Stellen abbauen. Heidelberg selbst dürfte nicht betroffen sein. 'Die Anzahl der Mitarbeiter hier am Standort Heidelberg hat eher zugenommen', so Unternehmenschef Scheifele./mne/ewi/jha/wiz
--- Michaela Nehren-Essing, dpa-AFX und Eva Wichmann, dpa ---


