Do, 12.07.12 18:30
PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas Börsen mussten am Donnerstag erst einmal die Enttäuschung über die US-Notenbank Fed verdauen. Weil die obersten Währungshüter der USA am Vorabend entgegen aller Hoffnungen der Anleger keinerlei entscheidenden Schritte zur Stimulierung der US-Wirtschaft angekündigt hatten, rutschten an den wichtigsten europäischen Handelsplätzen die Kurse. Der EuroStoxx 50
schloss am Abend mit einem Abschlag von 0,81 Prozent auf 2.228,01 Punkte. In Paris sank der CAC 40
um 0,70 Prozent auf 3.135,18 Zähler und der Londoner FTSE 100
gab um 0,99 Prozent auf 5.608,25 Punkte nach.
'Unter den Anlegern macht sich zusehends Ernüchterung breit', sagte Stratege Gregor Kuhn von IG Markets. Händlern zufolge sind die Investoren angesichts der sich weltweit abschwächenden Konjunktur weiterhin in der Defensive und hielten sich zudem vor der Veröffentlichung wichtiger chinesischer Konjunkturdaten am Freitag mit Engagements zurück. Gegen den Markttrend jedoch schnellten die Papiere von Carrefour
mit einem Plus von 6,97 Prozent auf 14,12 Euro an die EuroStoxx-Spitze. Der weltweit zweitgrößte Handelskonzern hatte zwar schwächere Verkaufszahlen für das zweite Quartal präsentiert. Die Erlöse hatten jedoch die durchschnittlichen Analystenprognosen leicht übertroffen.
Ein Übernahmeangebot bewegte den Handel in Großbritannien: Dort sprangen die Papiere von Aegis
um mehr als 45 Prozent an. Die japanische Werbeagentur Dentsu will ihren Rivalen schlucken. Die Japaner bieten insgesamt 3,16 Milliarden Pfund (4 Milliarden Euro). Der Preis von 240 Pence bedeutet einen Aufschlag von knapp der Hälfte auf den Schlusskurs vom Vortag. In Tokio sanken die Dentsu-Titel um 0,95 Prozent.
Die Nachrichten aus der Werbewirtschaft sorgten dafür, dass der Mediensektor
mit einem Plus von 0,90 Prozent einziger Gewinner in der europäischen Branchenübersicht wurde. Dagegen gehörten Telekomtitel mit durchschnittlich minus 1,76 Prozent zu den größten Verlieren. Telecom Italia
beispielsweise rutschten mit minus 6,47 Prozent auf 0,70 Euro an das Eurostoxx-Ende. Die Papiere belastete ein negativer Analystenkommentar von Bernstein. Die Experten schätzen, dass sich das Umsatzwachstum für das Unternehmen in Lateinamerika im kommenden Jahr auf weniger als drei Prozent abschwächen dürfte, nachdem hier 2011 noch ein Plus von zwölf Prozent zu Buche stand.
Reichlich Probleme hat auch die schwedische Telefongesellschaft TeliaSonera
: Sie muss Abschreibungen in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro auf ihr Geschäft in Norwegen und Litauen vornehmen. Die Titel gaben um 2,26 Prozent auf 5,18 schwedische Kronen nach. In diesem Sog verbilligten sich Telefonica
um mehr als drei Prozent und France Telecom
gaben noch etwas moderatere 0,82 Prozent ab.
Schlechte Branchennachrichten belasteten auch die Technologieaktien
: Der indische Softwarehersteller Infosys etwa hatte eine Umsatzwarnung herausgegeben, so dass dessen Aktien in Mumbai um mehr als 8 Prozent und an der Nasdaq um mehr als 11 Prozent einbrachen. In der Folge gaben Papiere von Capgemini
, Frankreichs größtem Computer-Dienstleister, um mehr als zwei Prozent nach. Indes ging es für die Titel des Schweizer Bankensoftware-Spezialisten Temenos um mehr als 28 Prozent bergab - hier belastete zusätzlich zur gesenkten Umsatzprognose der Weggang des Chefs. Unter Druck gerieten zudem die Banken
, die angesichts der Sorgen um die Weltwirtschaft einmal mehr mit knapp 1,70 Prozent im Minus lagen.
In Paris gaben die Titel von Peugeot
um 1,74 Prozent auf 7,02 Euro nach, nachdem sie zuvor noch gegen den Marktrend fast zwei Prozent gestiegen waren. Damit war der positive Effekt einer angekündigten Verschärfung des Sparprogramms schnell verpufft. Der Autobauer reagiert unter anderem mit neuen Stellenstreichungen auf den sich angesichts der Eurokrise verschärfenden Absatzeinbruch./tav/stb



