Di, 17.07.12 11:52
Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Enttäuschte Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen der amerikanischen Notenbank FED sorgten in der vergangenen Woche für verhaltene Stimmung an den Aktienmärkten, so die Experten von Union Investment.
Einige Marktteilnehmer hätten konkrete Hinweise auf weitere Konjunkturstimuli erwartet, etwa in Form quantitativer Lockerungen. Auch von der Bank of Japan habe es in dieser Hinsicht keine nennenswerten Ankündigungen gegeben. Dass derweil sowohl die Südkoreanische als auch die Brasilianische Zentralbank die Leitzinsen gesenkt habe, habe keine eindeutige Marktreaktion gefunden. In der Eurozone habe sich die Politik weiterhin schwer getan, entscheidende Schritte im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise einzuleiten. Der vorläufige Beschluss der Eurogruppe zur finanziellen Unterstützung Spaniens bei der Rekaptialisierung seiner Kreditinstitute sei positiv aufgenommen worden, die Reformfähigkeit Griechenlands aber erneut infrage gestellt.
Auf Wochensicht hätten sich die europäischen Aktienmärkte trotz der Belastung durch die Euro-Schuldenkrise und die Furcht vor einer weiteren Eintrübung der globalen Konjunktur ungewöhnlich stark präsentiert. Der EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814) habe mit einem Plus von 1,1 Prozent geschlossen. Mit starken Abschlägen hätten hingegen europäische Finanztitel reagiert, die zusätzlich durch den Skandal um die Manipulation des Interbankenzinssatzes LIBOR belastet gewesen seien.
Wenn Konjunkturzahlen und Frühindikatoren rezessive Tendenzen signalisieren würden, brauche man ermutigende Impulse von anderer Stelle. Manch ein Investor möge sich diese in Form positiver Unternehmenszahlen zum zweiten Quartal erhofft haben. Allerdings sei der Start in die Berichtssaison eher schwach ausgefallen. So habe der größte US-Aluminiumkonzern Alcoa (ISIN US0138171014/ WKN 850206) zwar etwas besser abgeschnitten, als Analysten zuvor befürchtet hätten, sei aber dennoch in die roten Zahlen gerutscht. Die Alcoa-Aktie habe auf Wochensicht einen Verlust von 3,5 Prozent verzeichnet.
Negative Zahlen hätten außerdem der Motorenkonzern Cummins (ISIN US2310211063/ WKN 853121) und Halbleiterhersteller Advanced Micro Devices (AMD) (ISIN US0079031078/ WKN 863186) aufgewiesen. Die Erwartungen für die deutsche Berichtssaison der mehrheitlich exportabhängigen Konzerne seien verhalten, weil die Dynamik in der Auslandsnachfrage abnehme. Dass die Konjunktur in Südeuropa schwächle, habe schon die Gewinnwarnung des französischen Nahrungsmittelkonzerns Danone (ISIN FR0000120644/ WKN 851194) gezeigt.
Eigentlich würden Titel der Nahrungsmittelbranche als relativ unabhängig von der Konjunktur gelten, weil die Nachfrage mit der Weltbevölkerung wachse. Gerade Markenartikler wie Danone oder Nestlé (ISIN CH0012056047/ WKN 887208) seien in diesem Bereich mit Milchprodukten wie Actimel, Fruchtzwergen oder der Babynahrung Milupa gut aufgestellt. Dennoch hätten sich die Belastungen auch dort bemerkbar gemacht.
Einige Branchen würden sich aber ungeachtet der Krise robust zeigen. Zu erwähnen seien hier, trotz der Schwierigkeiten von Opel (ISIN CA6834851066/ WKN A0MVL8) und Peugeot-Citroen (ISIN FR0000121501/ WKN 852363), die Automobil- und auch die Chemiebranche. Während der Aktienkurs von Peugeot kräftig nachgegeben habe, hätten sich beispielsweise Papiere der Volkswagen AG (ISIN DE0007664039/ WKN 766403) mit rund fünf Prozent auf Wochensicht deutlich im Plus gehalten.
Der Walldorfer Softwarekonzern SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460) habe indes die Erwartungen der Anleger mit vorläufig veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal deutlich übertroffen. Die Aktie des drittgrößten deutschen DAX-Konzerns sei auf Wochensicht um 8,2 Prozent nach oben katapultiert worden. Damit habe sich das Unternehmen deutlich von seinen Mitbewerbern in der tendenziell schwächelnden IT-Industrie abgesetzt. (16.07.2012/ac/a/m)
Quelle: Finanzen.net / Aktiencheck.de AG
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