Energiewende: Ausblick für die Versorger
Die großen deutschen Versorger haben eine schwere Zeit hinter sich: Mit der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 gingen die Kurse auf Talfahrt: Während der DAX auf Jahressicht „nur“ zehn Prozent verloren hat, bringen es E.ON (WKN ENAG99) und RWE (WKN 703712) auf einen Verlust von 22 bzw. 27 Prozent. Zuletzt jedoch nahm die Underperformance ab. Ist die Talsohle durchschritten?
Analysten wieder vorsichtig optimistisch
Analysten jedenfalls sind wieder zunehmend optimistisch, für einige sind die Versorger bereits wieder ein Kauf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen locken attraktive Dividenden. Nach dem Kursverfall bietet E.ON eine Dividendenrendite von 7,1 Prozent, RWE zahlt 6,8 Prozent – trotz der jüngsten Dividendenkürzungen. Ein weiterer Pluspunkt: Die beiden großen Versorger haben massive Umstrukturierungen in Angriff genommen, um auf die in Deutschland beschlossene Energiewende zu reagieren.
E.ON verkauft Gasnetz
Bereits 2011 hat E.ON einen nachhaltigen Konzernüberschuss von 2,5 Milliarden Euro erzielt. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Nettogewinn zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Euro, für 2013 soll der Gewinn dann wieder deutlich steigen und zwischen 3,2 und 3,7 Milliarden Euro liegen. Im Mai hat E.ON den Verkauf des Gasnetzes für 3,2 Milliarden Euro an ein von Macquarie angeführtes Konsortium gemeldet. Für Alberto Ponti, Analyst der Société Générale, ein sinnvoller Verkauf zu attraktiven Konditionen. Sein Kursziel für E.ON liegt auf Zwölf-Monats-Sicht bei 21 Euro – rund 40 Prozent über dem aktuellen Kurs.
RWE gestärkt durch Braunkohle und Öl
Nach massiven Abschreibungen durch den Atomausstieg erzielte RWE 2011 einen Jahresüberschuss von 1,8 Milliarden Euro – im Vergleich zum Vorjahr entsprach das einem Rückgang um 46 Prozent. Wichtigster Teil des Strommix bei RWE ist und bleibt jedoch die Braunkohle mit einem Anteil von rund einem Drittel. Hier kann RWE vor allem durch die eigene Förderung hohe Margen erzielen, trotz des Zukaufs von CO2-Zertifikaten für diesen fossilen Energieträger. Zudem wächst das Ölgeschäft der Tochter RWE Dea stetig weiter und beschert dem Konzern durch die hohen Ölpreise steigende Erträge bei hohen Margen. John Musk von RBC Capital Markets stuft die Aktie von RWE aktuell als "Top Pick" ein und empfiehlt sie mit einem Kursziel von 42 Euro zum Kauf. Das entspricht einem Potenzial von 40 Prozent.
Versorger per ETF
Neben Einzelaktien können Anleger auch auf spezielle Versorger-ETFs zugreifen. Ein wichtiger Branchenindex ist der STOXX Europa 600 Utilities, auf den die Deutsche Bank einen ETF (WKN DBX1SU) anbietet. Im STOXX Europa 600 Utilities ETF sind RWE und auch E.ON mit hohen Anteilen vertreten und machen zusammen fast ein Viertel des Index aus. Weitere große Positionen sind National Grid (WKN A0ETYW) und auch GdF Suez (WKN A0ER6Q). Mit einer Gesamtkostenquote von 0,3 Prozent pro Jahr bietet dieser spezielle ETF eine kostengünstige Möglichkeit, auf die europäischen Versorger zu setzen.
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