Technische Analyse: Absicherung mit Indikatoren
Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling, ein Chartsignal allein noch keine Kaufempfehlung. „Besser ist es, Chartsignale mit Indikatoren abzusichern“, rät Dr. Gregor Bauer, Vorstand der Vereinigung der Technischen Analysten Deutschlands (VTAD) und Chef der Wiesbadener Dr. Bauer Consult. Indikatoren sind mathematische Modelle, mit denen der Markt berechnet werden soll.
„Es gibt keinen Indikator, der in jeder Marktlage richtige Signale generiert“, sagt Chartexperte Bauer. Erfahrene Trader nutzen deshalb mehrere Indikatoren. Bauer empfiehlt, je einen Trendfolger und einen Oszillator zu prüfen und per Trendstärke-Indikator zu filtern.
Trendfolge-Indikatoren eignen sich zur Trendabsicherung in lang anhaltenden Trendphasen. Sie reagieren allerdings mit Verzögerung auf den Kursverlauf – helfen also nicht, den günstigsten Zeitpunkt für einen Ein- oder Ausstieg zu finden. Der Vorteil: Sie geben Auskunft, ob ein Trendwechsel auch wirklich vollzogen ist. Damit können Anleger ihre Chartanalyse absichern und verhindern, dass sie intakte Trendmärkte aufgrund von Kursschwankungen voreilig verlassen. Der wichtigste Trendfolge-Indikator neben dem Gleitenden Durchschnitt ist der Moving Average Convergence Divergence (MACD).
MACD: Wichtiger Trendfolge-Indikator
Für die Berechnung des MACD werden zwei gleitende Durchschnitte voneinander subtrahiert. Es entsteht eine Indikatorlinie, die wiederum durch die Bildung eines gleitenden Durchschnitts geglättet wird (Signal- oder Triggerlinie). Ein Kaufsignal entsteht, wenn die Indikatorlinie die Triggerlinie von unten nach oben schneidet. Ein Verkauf wird durch ein Schneiden der Triggerlinie von oben nach unten signalisiert. In trendlosen Märkten liefert der MACD allerdings häufig Fehlsignale.
Werkzeuge für Wackelmärkte
Wer Wellenbewegungen an den Märkten ausnutzen möchte, nutzt Oszillatoren wie beispielsweise das Momentum oder den RSI (Relative Stärke Index).
- Das Momentum (MOM) schwankt um eine Mittellinie und gibt Auskunft über Kraft sowie Richtung von Kursbewegungen. Es signalisiert, ob sich der Markt in einem Aufwärts- oder Abwärtsimpuls bewegt.
- Der Relative Stärke Index (RSI) ist ein Preisindikator, der Werte zwischen null und 100 einnehmen kann. Bewegt sich der RSI in seinem extremen oberen Bereich, so ist der Markt „überkauft“, im unteren Bereich ist er „überverkauft“. Anleger nutzen die Signale, um einen irrationalen Überschwang herauszufiltern und antizyklisch zu investieren.
Trendstärke messen
Trendstärke-Indikatoren wie der Directional Movement Index (DMI) oder der Adjusted Directional Movement Index (ADX) übernehmen eine Filterfunktion, wenn Trendfolger und Oszillatoren gegenläufige Signale geben. Diese Indikatoren setzen jeweils Tageshöchst- und Tiefkurse aufeinanderfolgender Tage zueinander ins Verhältnis. Ist der Höchstkurs des laufenden Tags höher als der Höchstkurs des Vortags, so deutet dies auf einen Aufwärtstrend hin – und umgekehrt.
Der ADX entspricht dem DMI, jedoch geglättet um eine frei gewählte Anzahl von Tagen. Generiert werden weder Kauf- noch Verkaufssignale, sondern ausschließlich Hinweise auf die Stärke eines Trends. Der geglättete Indikator kann einen Wert zwischen null und 100 annehmen. Die Szenarien:
- Der ADX ist größer als 25: Es besteht ein Trendmarkt.
- Der ADX fällt von Werten über 40: Die Trendstärke
lässt nach/Übergang zum Seitwärtsmarkt möglich. - Der Index steigt von unter 20 auf mindestens 25:
Trendmarkt beginnt.
Die Technische Analyse dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich eine selbstständige Anlageentscheidung des Kunden erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung.
Chart Analyzer
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